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Diagnostik & Therapie

Von uns angewandte Testverfahren

Spezifische labordiagnostische Verfahren bei chronischen Infektionen: Mikroagglutinationstest (MAT nach Giroud), Dunkelfeldmikroskopie, ZIK, LTT und ePCR.

Spezialisierte Labordiagnostik bei chronischen Infektionen

Die Diagnose chronischer, subakut rezidivierender Infektionen stellt eine der anspruchsvollsten Herausforderungen in der modernen Labormedizin dar. Während akute Infektionsverläufe meist verlässlich durch serologische Standardtests (wie ELISA oder einfache Immunoblots) nachgewiesen werden können, versagen diese Methoden im chronischen Spätstadium in einem alarmierend hohen Prozentsatz.

Intrazelluläre Erreger wie Rickettsien, Borrelien, Bartonellen, Mykoplasmen und Chlamydien manipulieren das humorale Immunsystem, blockieren die B-Zell-Reifung und binden frei zirkulierende Antikörper zu Immunkomplexen. Eine valide Klinische Differenzialdiagnose und Therapie erfordert daher den gezielten Einsatz erweiterter diagnostischer Nachweisverfahren.


Die Kernverfahren der VBCI-Diagnostik im Detail

1. Mikroagglutinationstest (MAT nach Giroud / Institut Pasteur)

Der am Institut Pasteur in Paris von Prof. Paul Giroud und Prof. Jean-Baptiste Jadin entwickelte Mikroagglutinationstest gilt weltweit als diagnostischer Goldstandard für den serologischen Nachweis von Rickettsiosen und verwandten Zoonosen.

  • Funktionsprinzip: Hochreine, standardisierte Antigensuspensionen verschiedener Rickettsienstämme (Rickettsia conorii, R. prowazekii, R. mooseri) und Coxiella burnetii werden in Verdünnungsreihen mit Patientenserum inkubiert. Unter dem Spezialmikroskop wird die direkte Agglutination der Bakterien quantitativ ausgewertet.
  • Vorteil gegenüber dem Weil-Felix-Test: Der in vielen deutschen Routine-Krankenhauslaboren noch immer eingesetzte Weil-Felix-Test basiert auf einer unspezifischen Kreuzreaktion mit Proteus-Bakterien. Er ist extrem unempfindlich, liefert massenhaft falsch-negative Ergebnisse und ist zur Erkennung subakut rezidivierender Rickettsiosen völlig ungeeignet. Der MAT hingegen erfasst selbst minimale Antikörperkonzentrationen im subakuten Stadium mit höchster Spezifität.
  • Referenzstrukturen: Weitere Details zu spezialisierten Laboren finden sich unter Referenzlaboratorien für Rickettsiosen.

2. Dunkelfeld-Vitalblutmikroskopie

Die Dunkelfeldmikroskopie nach Prof. Dr. Günther Enderlein und veterinärmedizinischen Modifikationen (u. a. nach Dr. Walter Tarello) untersucht das lebende, unfixierte Vollblut unmittelbar nach der Kapillarblutentnahme.

  • Diagnostischer Nutzen: Visualisierung von Erythrozyten-Geldrollenbildung (Hyperviskosität), Fibrinnetzen (stille Entzündung), Pleomorphismus, intrazellulären Einschlusskörpern in Leukozyten sowie atypischen Bakterien- und Mikrokokkenformen.
  • Verlaufskontrolle: Dient als hervorragender biologischer Monitor zur Überprüfung des Therapieansprechens und der Viskositätsnormalisierung.

3. Zirkulierende Immunkomplexe (ZIK / CIC-Spaltung)

Bei seronegativen Patientinnen und Patienten mit eindeutiger klinischer Symptomatik liegt häufig das Phänomen der Antikörpermaskierung vor:

  • Mechanismus: Die vom Immunsystem produzierten Antikörper binden direkt an freiwerdende Erregerantigene und bilden hochmolekulare Immunkomplexe (ZIK). Im Serum stehen keine „freien“ Antikörper mehr zur Verfügung, wodurch der Standard-ELISA negativ bleibt.
  • Methodik: Mittels Polyethylenglykol-Präzipitation (PEG) werden die Immunkomplexe isoliert, chemisch gespalten und die freigesetzten borrelien- bzw. rickettsienspezifischen Antikörper anschließend im Immunoblot nachgewiesen.

4. Zelluläre Immundiagnostik (LTT / Elispot & CD57+ NK-Zellen)

  • Lymphozytentransformationstest (LTT / Elispot): Misst die antigenspezifische T-Zell-Aktivität gegen Erregerpeptide. Da T-Gedächtniszellen eine kurze Halbwertszeit von wenigen Wochen besitzen, belegt ein positiver LTT eine aktuell aktive, persistierende Infektion und nicht nur eine serologische „Seronarbe“.
  • CD57+/CD3- NK-Zellen: Die absolute Anzahl dieser Subpopulation der natürlichen Killerzellen korreliert direkt mit der Aktivität chronischer Vektorinfektionen. Ein erniedrigter CD57-Wert (< 60/µl) ist ein objektiver Biomarker für eine erregerinduzierte Immunparalyse.

5. ePCR-Plattform für Bartonella (Enrichment-PCR)

Für den Nachweis von Bartonella henselae und B. quintana nutzen wir fortschrittliche Nachweisverfahren (wie die ePCR von Galaxy Diagnostics / NC State University). Durch eine 8- bis 14-tägige Voranreicherung in Spezialnährmedien (BAPGM) vor der eigentlichen Polymerase-Kettenreaktion wird die Nachweisgrenze um ein Vielfaches gesteigert.


6. Zukünftige diagnostische Innovationen

Der VBCI e.V. kooperiert mit internationalen Spitzenforschungsnetzwerken, um molekulare Massenspektrometrie und Metabolomanalysen zur Früherkennung mikrobieller Dysbiosen in die Praxis zu überführen. Einen Einblick in diese europäischen Kooperationen vermitteln die Innovative diagnostische Analyseverfahren (SANIST).


Übersicht der diagnostischen Verfahren

Diagnostisches VerfahrenPrimäre IndikationProbenmaterialKlinische Aussagekraft
Mikroagglutinationstest (MAT)Rickettsiosen, Coxiellen, ZoonosenSerumGoldstandard: Quantitative Titererfassung bei chronischen Verläufen
Dunkelfeld-VitalblutViskosität, Mikrokokken, ZellstressKapillarblutBiomonitoring: Sofortige Beurteilung von Mikrozirkulation & Zellumfeld
ZIK-SpaltungSeronegative SpätstadienSerumDemaskierung: Nachweis blockierter Antikörper bei unklarem Befund
LTT / ElispotBorrelien, Chlamydien, ErregeraktivitätHeparinblutAktivitätsnachweis: Differenzierung zwischen Seronarbe und aktiver Infektion
CD57+ NK-ZellenChronische ImmunparalyseEDTA-BlutVerlaufsparameter: Objektives Maß für zelluläre Immunkompetenz
Bartonella ePCRChronische BartonellosenEDTA-Blut / BiopsieHöchste Sensitivität: Voranreicherung steigert PCR-Trefferquote massiv

Ärztinnen und Therapeuten finden weiterführende Anleitungen zur Stufendiagnostik im Ärzteleitfaden Teil 2: Diagnostik & MAT-Verfahren.

🔬 Für Ärztinnen, Therapeuten und wissenschaftliche Fachkreise

Der VBCI e.V. unterstützt Behandler bei der Differenzialdiagnose und Schaukeltherapie chronischer Infektionen:

Medizinischer Hinweis: Dieser Fachbeitrag dient der Information und wissenschaftlichen Aufklärung über chronische Infektionen und Zoonosen. Er stellt keine individuelle Therapieempfehlung dar und ersetzt keine ärztliche Konsultation.