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Patientenhilfe & Aufklärung

Interview mit Frau Teresa M. Taddonio

Ausführliches Interview mit Teresa Maria Taddonio über Ursachen chronischer Infektionskrankheiten, antike Infektiologie und die Entstehungsgeschichte des VBCI e.V.

Teresa Maria Taddonio M.A. ist Wissenschaftsjournalistin, Autorin der Standardwerke Zeckenbiss und dann?, Spät erkannt und trotzdem heilbar: Borreliose und CFS: Chronisches Erschöpfungssyndrom sowie 1. Vorsitzende des Vereins zur Bekämpfung chronischer Infektionskrankheiten e.V. (VBCI e.V.).

In diesem ausführlichen Fachgespräch schildert sie ihren persönlichen Genesungsweg, die Wiederentdeckung der klassischen Infektiologie der Pasteur-Schule und die dringend notwendige Neuausrichtung der Versorgung chronisch Infizierter.


1. Vom diagnostischen Irrweg zur Ursachenforschung

Frage: Frau Taddonio, was veranlasste Sie zur Gründung des VBCI e.V. und wie begann Ihre persönliche Auseinandersetzung mit chronischen Infektionskrankheiten?

Teresa Maria Taddonio: Wie die allermeisten Ratsuchenden, die sich heute an den VBCI e.V. wenden, blicke ich auf eine jahrelange, extrem zermürbende Odyssee durch das medizinische System zurück. Nach einem unbemerkten Vektorenkontakt entwickelten sich bei mir progressive Erschöpfung, brennende Nervenschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen und schwere kognitive Einbußen. In universitären Fachkliniken hieß es stets: „Organisch ohne Befund, die Borrelien-Antikörpertiter im ELISA sind negativ – Ihre Symptome müssen psychosomatisch sein.“

Erst durch den Kontakt mit herausragenden Forschern wie dem italienischen Zoonosenforscher Dr. med. vet. Walter Tarello und dem französischen Infektiologen Dr. Philippe Bottero stieß ich auf die wahre biologische Ursache: eine floride, chronische Rickettsiose kombiniert mit intrazellulären Koinfektionen. Nachdem ich durch ein gezieltes Schaukeltherapie-Protokoll nach mehreren Monaten wieder vollständig genas, wurde mir die Dimension dieses Versorgungsnotstands bewusst. Gemeinsam mit betroffenen Ärzten und Wissenschaftlern gründeten wir den Verein, um Ziele und Schwerpunkte des Vereins in Aufklärung, Diagnostik und Patientenhilfe zu bündeln.

Meinen persönlichen Werdegang schildere ich auch im Erfahrungsbericht im Fachbuch ‘Spät erkannt und trotzdem heilbar’ sowie in der Biografie von Gründerin Teresa Maria Taddonio.


2. Die klassische Infektiologie des Institut Pasteur

Frage: Der VBCI e.V. beruft sich maßgeblich auf die Tradition der klassischen Infektiologie. Was unterscheidet diesen Ansatz von der heutigen Routineversorgung?

Teresa Maria Taddonio: Die Pioniere des Institut Pasteur in Paris – allen voran Prof. Jean-Paul Giroud, Prof. Jean-Baptiste Jadin und Dr. Paul Le Gac – wiesen bereits ab den 1950er-Jahren nach, dass intrazelluläre Mikroorganismen wie Rickettsien, Chlamydien und Mykoplasmen die Fähigkeit besitzen, das vaskuläre Endothel kleinster Kapillaren dauerhaft zu besiedeln.

Dort lösen sie sogenannte „kalte Infektionen“ ohne hohes Fieber aus. Die Folge sind chronische Gefäßentzündungen, Mikrothrombosen und eine periphere Minderdurchblutung. Die moderne Standardmedizin konzentriert sich fast ausschließlich auf akute Leukozytosen und Standard-Antikörpertests. Verharren Erreger jedoch intrazellulär in Biofilmen, schlagen Standardtests fehl. Die klassische Infektiologie bewertet das klinische Gesamtmuster aus Endothelschäden, chronischer Fatigue und subakuten Schüben.


3. Schaukeltherapie vs. Kurzzeit-Antibiose

Frage: Warum scheitern konventionelle zwei- bis dreiwöchige Antibiotikatherapien bei chronischen Verläufen und was zeichnet die Schaukeltherapie nach Dr. Bottero und Prof. Jadin aus?

Teresa Maria Taddonio: Intrazelluläre Erreger wie Borrelien und Rickettsien besitzen ausgeklügelte Überlebensstrategien: Bei Konfrontation mit einer kontinuierlichen Antibiotikagabe ziehen sie sich in zystische Formen, L-Formen ohne Zellwand oder in dichte Fibrin-Biofilme zurück und drosseln ihren Stoffwechsel.

Die sequenzielle, diskontinuierliche Schaukeltherapie (Traitement discontinu) setzt genau an diesem Mechanismus an:

  • Rotierende Antibiotikaklassen: Es werden alternierend intrazellulär wirksame Wirkstoffe (Tetrazykline, Makrolide, Rifamycine, Chinolone) eingesetzt, um verschiedene biochemische Angriffspunkte zu treffen.
  • Gezielte Intervallpausen: Kurze Einnahmephasen wechseln sich mit Einnahmepausen ab. In den Pausen reaktivieren sich die Keime aus ihren Dauerformen und werden in der nächsten Einnahmephase vulnerabel für das Folgemedikament.
  • Begleitende biologische Ausleitung: Zur Vermeidung toxischer Herxheimer-Reaktionen wird die Therapie stets durch Natur-Klinoptilolith-Zeolith und Mikrobiomrestitution flankiert.

4. Haustiere als unterschätzte Infektionsquelle

Frage: Welche Rolle spielen Zoonosen und Koinfektionen durch Haustiere nach den Forschungen von Dr. Walter Tarello?

Teresa Maria Taddonio: Dr. Walter Tarello hat in bahnbrechenden Studien gezeigt, dass Hunde, Katzen, aber auch Pferde als Reservoirwirte für Zoonosen dienen. Er wies nach, dass intraerythrozytäre Mikrokokken und Bartonellen durch Flöhe, Tierläuse und direkten Speichelkontakt auf den Menschen übertragen werden können. Bei chronischer Fatigue und Fibromyalgie muss die gesamte häusliche Tierumgebung mikrobiologisch mitbetrachtet werden, um Reinfektionen zu verhindern.


5. Seronegativität überwinden & Hilfsangebote des VBCI e.V.

Frage: Wie können Patienten mit negativem Standard-ELISA Klarheit erlangen und wie unterstützt der Verein ganz praktisch?

Teresa Maria Taddonio: Ein negativer ELISA schließt eine chronische Infektion niemals aus. Wenn Antikörper in zirkulierenden Immunkomplexen (ZIK) gebunden sind oder eine humorale Anergie vorliegt, müssen spezialisierte Verfahren herangezogen werden: der Mikroagglutinationstest (MAT), der zelluläre LTT-Test sowie die Durchflusszytometrie von CD57-NK-Zellen.

Unser Verein unterstützt Betroffene durch:

  1. Den digitalen Anamnesebogen: Über unseren strukturierten digitalen Anamnesebogen erfassen wir Symptomverläufe, Stichereignisse und Expositionen.
  2. Das persönliche Orientierungsgespräch: Individuelle Hilfe im Beratungsgespräch erarbeiten wir eine fundierte Vorbereitung für die Konsultation aufgeschlossener Fachärzte.
  3. Aufklärung von Fachkreisen: Wir stellen Behandlern wissenschaftliche Protokolle und Literatur zur Verfügung, um die Brücke zwischen Forschung und Praxis zu schlagen.

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