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Interview mit Dr. med. Philippe Bottero: 40 Jahre Pasteur-Intervalltherapie

Experteninterview mit Infektiologe Dr. med. Philippe Bottero über chronische Rickettsiosen, vaskuläre Entzündungen, MAT-Diagnostik und die Schaukeltherapie.

Experten / Autor: Teresa Maria Taddonio

Fachinterview mit Dr. med. Philippe Bottero (Infektiologe)

Audioaufzeichnung des Fachgesprächs mit Dr. med. Philippe Bottero (Nizza/Frankreich):
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Dr. med. Philippe Bottero gehört zu den weltweit profiliertesten Pionieren auf dem Gebiet chronischer, intrazellulär persistierender Infektionskrankheiten. Als langjähriges Mitglied des internationalen Kollegiums für Rickettsiologie forschte er eng mit der Arbeitsgruppe um Prof. Jean-Baptiste Jadin (Institut für Tropenmedizin Antwerpen) und Prof. Paul Giroud am Institut Pasteur in Paris zusammen. Gemeinsam widmeten sie sich dem Nachweis und der Kausalbehandlung chronischer Formen von Rickettsiosen, Chlamydiosen und assoziierten Begleitinfektionen.


Die Tradition des Institut Pasteur & das Erbe von Paul Giroud

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begründeten Forscher wie Paul Giroud, Charles Nicolle und Paul Le Gac eine eigenständige französische Schule der Infektiologie. Sie wiesen nach, dass Rickettsien nicht nur akute, seuchenartige Fleckfieberepidemien auslösen, sondern nach Abklingen der Akutsymptome lebenslang im vaskulären Endothel des Wirtes verharren können.

Dr. Bottero trat in diese wissenschaftliche Tradition ein. Am Universitätsklinikum (CHU) Grenoble entdeckte er gemeinsam mit Prof. Perron und Prof. Seignuren den infektiologischen Hintergrund einer Vielzahl schwerer Multisystemerkrankungen, darunter Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata), Fibromyalgie, Autismus-Spektrum-Störungen und Schizophrenie.

Die historische Verankerung und Weiterentwicklung dieser Forschungslinie beschreibt der Beitrag über Institut Pasteur und Infektiologie in Frankreich.


Der Mikroagglutinationstest (MAT) als diagnostischer Goldstandard

Ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit von Dr. Bottero lag in der Validierung standardisierter Laborverfahren. Konventionelle Antikörpertests (wie ELISA oder indirekte Immunfluoreszenz) erfassen chronisch-persistierende Infektionen oft nicht, da intrazelluläre Keime die humorale Antikörperbildung unterdrücken oder in Immunkomplexen maskiert sind.

Der von Prof. Paul Giroud und Prof. Jean-Baptiste Jadin entwickelte Mikroagglutinationstest (MAT) stellt bis heute das sensitivste Verfahren zum Nachweis zirkulierender Rickettsien-Antikörper dar. Durch die Verwendung nativer, gereinigter Antigene verschiedener Rickettsienstämme (R. prowazekii, R. mooseri, R. conorii, Coxiella burnetii sowie Chlamydia) ermöglicht der Test eine differenzierte Beurteilung der immunologischen Aktivität.

Ausführliche methodische Erläuterungen finden sich im Fachbeitrag über den Mikroagglutinationstest (MAT nach Giroud/Jadin).


Chronische Rickettsiosen, Gefäßentzündungen & zelluläre Anoxämie

Im Gespräch betont Dr. Bottero die pathophysiologische Kernursache chronischer Rickettsien-Erkrankungen: den Befall der Gefäßendothelien in den kleinsten Kapillaren (Vaskulitis und Endangiitis obliterans). Rickettsien nisten sich direkt in den Endothelzellen ein und sezernieren vasokonstriktorische Toxine.

Diese permanente Mikrozirkulationsstörung führt zu einer chronischen zellulären Mangelversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen – einer sogenannten zellulären Anoxämie. Typische klinische Leitsymptome sind:

  • Chronische Kälte der Extremitäten, Akrozyanose und Raynaud-Syndrom.
  • Rezidivierende mikrovaskuläre Kopfschmerzen und Migräneanfälle.
  • Herzrhythmusstörungen, Tachykardien und thorakale Engegefühle.
  • Neurokognitive Defizite: Konzentrationsverlust, Wortfindungsstörungen („Brain Fog“) und Gedächtnislücken.
  • Visuelle Phänomene wie Mouches volantes (fliegende Mücken) durch retinale Mikrozirkulationsstörungen.

Detaillierte Einblicke in die vaskuläre Pathogenese vermittelt der Übersichtsartikel Klinische Manifestation von Rickettsien-Infektionen.


Neurologische Manifestationen, Autismus & Schizophrenie

Bereits im Jahr 1987 veröffentlichte Dr. Bottero eine bahnbrechende klinische Fallserie über 60 Patienten mit schweren chronischen Psychopathologien, die mit persistierenden Rickettsiosen und Chlamydiosen assoziiert waren. Bei 55 dieser Patienten konnte durch eine gezielte intrazelluläre Intervallantibiose eine vollständige Genesung erzielt werden.

Diese Ergebnisse bestätigten frühere Beobachtungen der französischen Psychiater P. Loo und J. Menier aus den 1960er-Jahren, die bipolare Psychosen und endogene Depressionen auf infektiös-toxische Gefäßläsionen im Gehirn zurückführten. Auch bei Kindern mit kognitiven Entwicklungsstörungen, Dysarthrie, Dysgraphie und Hyperaktivitätssyndromen wies Dr. Bottero erhebliche Besserungen nach antimikrobieller Sanierung nach. Ähnliche Zusammenhänge wurden von Prof. Garth Nicolson in den USA für Mykoplasmen-Infektionen bei Autismus bestätigt.


Das Schaukeltherapie-Protokoll & klinische Heilerfolge

Da intrazelluläre Bakterien in Biofilmen, L-Formen und Zysten ruhen, greift eine kontinuierliche Standard-Antibiose zu kurz und führt rasch zu Resistenzbildungen. Basierend auf den Prinzipien des Institut Pasteur etablierte Dr. Bottero die zyklische Schaukeltherapie (Therapie intermittente):

  1. Gepulste Einnahmezyklen: Verabreichung hochdosierter, zellgängiger Antibiotikakombinationen über 7 bis 10 Tage pro Monat.
  2. Medikamentenrotation: Systematischer Wechsel der Substanzklassen (Tetrazykline, Makrolide, Nitroimidazole, Chinolone), um alle bakteriellen Entwicklungsstadien zu erfassen.
  3. Erholungspausen: Drei Wochen therapiefreies Intervall zur Entlastung von Leber und Nieren sowie zur Reaktivierung ruhender L-Formen, die im nächsten Zyklus eliminiert werden.
  4. Adjuvante Begleitmaßnahmen: Gezielte Toxin-Ausleitung, Schutz der Leberfunktion (Silymarin/Legalon) und Wiederherstellung des gastrointestinalen Mikrobioms.

Zwischen 1981 und 1998 behandelte Dr. Bottero unter anderem 67 Patientinnen und Patienten mit schwerer Fibromyalgie und chronischem Erschöpfungssyndrom (ME/CFS) mit hervorragenden Langzeiterfolgen.

Die genauen Protokolle und Dosierungsrichtlinien beschreibt das Schaukeltherapie-Protokoll von Dr. Jadin sowie der Ärzteleitfaden: Praxis der Schaukelkuren.


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Der VBCI e.V. unterstützt Behandler bei der Differenzialdiagnose und Schaukeltherapie chronischer Infektionen: